Die Protagonisten des MAZ-Projekts „Jugend in Brandenburg“ sind in einem vereinten Deutschland aufgewachsen. Die DDR kennen sie nur aus den Erinnerungen ihrer Eltern und Großeltern. Ist der historische Umbruch für die Nachwende-Generation überhaupt noch Thema? Wie schauen sie heute auf das geteilte Deutschland? Und spüren sie die Folgen der Teilung in ihrem eigenen Leben? So denken Friederike, Florian, Ireen, und Stanley über 30 Jahre deutsche Einheit.

Die Deutsche Einheit bedeutet für mich Freiheit und Normalität – freie Wahlen, Meinungsfreiheit, die Möglichkeit frei zu reisen, wohin ich will. Ich sehe mich in erster Linie als Deutsche, nicht als Ost- oder Westdeutsche. Wenn Leute in meinem Alter sich noch als Ost- und Westdeutsche definieren, habe ich dafür kein Verständnis.

Meine Eltern sind beide in der DDR geboren und aufgewachsen. Sie reden beide regelmäßig über ihr Leben in der DDR. Was ich von Ihnen mitbekommen habe ist zum Beispiel Nachhaltigkeit. Ich versuche alles sparsam und nachhaltig zu nutzen wie möglich, das haben sie zu DDR-Zeiten so gelernt. Mit dem wenigen, das man hatte, konnte man nicht verschwenderisch umgehen.


Ich finde es wichtig, dass die Deutsche Einheit heute immer noch eine solch große Relevanz hat. Meiner Meinung nach war die Vereinigung aber nicht wirklich eine Wiedervereinigung. Vielmehr wurden fast alle Konzepte aus der Bundesrepublik im Osten übernommen – nicht umgekehrt. Es war also keine Wiedervereinigung auf Augenhöhe.

Ich kam neun Jahre nach der Deutschen Einheit zur Welt. Eine große Rolle spielen die Ost-West-Unterschiede für mich nicht. Es fällt aber auf, dass der Westen deutlich dichter besiedelt ist. Was ich aber auch ziemlich krass finde, ist das Lohngefälle. Da ist also doch noch irgendwo eine unsichtbare Mauer, einer unsichtbare Grenze, zwischen uns.

Eine unsichtbare Mauer

Ich denke auch, dass die Mentalität untereinander schon noch ein bisschen anders ist. Eine unsichtbare Grenze wird es wohl immer geben. Aber das ist wohl auch der Tatsache geschuldet, dass unsere Elterngeneration diese Zeit und die friedliche Generation miterlebt haben.

Meine Eltern sind in der DDR groß geworden. Mein Vater wollte immer Sport und Geschichte auf Lehramt studieren, sich aber nicht mit der Partei arrangieren. Diese Diktatur hat ihm die Zukunft verbaut. Ich finde es schade, dass Chancen und Perspektiven von vielen Bürgern in der DDR nicht wahrgenommen werden konnten.


Die Unterschiede zwischen Ost und West spielen für mich persönlich kaum noch eine Rolle. Ich bin selbst in West-Berlin geboren und lebe in Brandenburg. Viel wichtiger ist für mich der Unterschied zwischen Stadt und Land. Ich komme ja selbst vom Dorf und merke, dass die Mentalität hier eine andere ist als bei Menschen aus der Stadt. Das Wir-Gefühl ist stärker.

Meine Eltern sind in der DDR aufgewachsen. Tendenziell reden sie eher positiv von ihrem Leben damals, nicht verherrlichend, sondern differenziert. Ich bin dankbar, dass ich in der Bundesrepublik leben kann. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich damit zurecht gekommen wäre, wenn ich in einem so engen gesellschaftlichen Rahmen wie in der DDR hätte leben müssen.

Deutschsein spielt für mich keine große Rolle

Ich persönlich glaube nicht, dass ich benachteiligt bin, weil ich aus dem Osten komme. Ich will aber auch kein Dax-Unternehmen leiten. Ich kenne selber Leute, die das Gefühl haben, dass sie es schwerer haben, weil sie von einem Dorf in Brandenburg kommen.

Dass ich in Ostdeutschland aufgewachsen bin, hat mich sicher auf die eine oder andere Art geprägt. Trotzdem würde ich mich nicht als Ostdeutsche identifizieren. Ich weiß nicht, ob es als junger Mensch heute noch notwendig ist, sich so zu definieren. Deutschsein spielt für mich keine große Rolle. Erziehung, Bildung, politische Haltung sind mir wichtiger. Wir leben in einer globalisierten Welt. Für unsere Zukunft kommt es eher darauf an, was für ein Mensch du bist, als woher du kommst.


Für mich spielt die Deutsche Einheit vor 30 Jahren keine große Rolle. Ich werde Ende des Jahres 21 Jahre alt. Ich kenne Deutschland nicht, als es noch geteilt war. Ich kann mir meine Heimat so nicht so vorstellen, will er auch gar nicht, obwohl wir in der Schule oft über die DDR und Deutsche Einheit sprechen. Ich bin in der Welt, wie sie es jetzt ist, aufgewachsen. Sie ist für mich selbstverständlich.

Ich finde es richtig und gut, dass in Rahmen wie den Feierlichkeiten zu 30 Jahre Deutsche Einheit an die Leute gedacht wird, die unter den Umständen litten, Opfer des politischen Regimes wurden und das vielleicht sogar mit ihrem Leben bezahlten. Daran müssen sich die Menschen auch noch in 300 oder 400 Jahren erinnern. Das darf nicht in Vergessenheit geraten.

Meine Familie und Freunde kommen fast alle aus dem Osten Deutschlands. Dennoch ist die Deutsche Teilung unter uns kaum ein Thema. Die Geschichte Deutschlands gehört dennoch dazu, nur eben nicht unbedingt im privaten Bereich. Deshalb wünsche ich mir mehr Gedenktage – keine Feiertage, denn die Anlässe sind keineswegs ein Grund zu feiern.

Von Johanna Apel, Feliks Todtmann und Marcus J. Pfeiffer