Die Haare sind ab. Wo Florian vorher noch einen Zopf hatte, ist das dunkelblonde Haar jetzt kurz. „Ich hatte ungefähr zwei Jahre lang den Zopf“, sagt Florian. Doch jetzt war Zeit für eine Veränderung. Nicht die einzige in Florians Leben.
Der 21-Jährige steht auf dem Gelände der Johanniter-Klinik in Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark). An genau dieser Stelle wurde schon einmal ein Foto von ihm gemacht. Das war 2018 – Florian Knaut war noch recht neu im Krankenhaus, seine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger hatte wenige Monate zuvor begonnen. Und er war neu in Treuenbrietzen, der Kleinstadt im Fläming, die er mittlerweile sein Zuhause nennt.
Florians Ausbildung ist fast beendet
„Richtig gemerkt habe ich das mal während eines Außeneinsatzes in Brandenburg an der Havel. Wenn ich zurück in die Wohnung nach Treuenbrietzen gekommen bin, hat sich das angefühlt wie Nachhause kommen“, sagt Florian. Aufgewachsen ist Florian in Plossig in Sachsen-Anhalt, nach Brandenburg kam er für seine Ausbildung. Im September werden die drei Jahre vorbei sein – dann ist Florian ausgebildeter Gesundheits- und Krankenpfleger.
Fragt man ihn, wie er seine Ausbildung bewertet, schweigt er kurz. Dann kommen vier Worte, jedes Einzelne gut überlegt. „Aufschlussreich. Schwierig. Aufregend. Frustrierend“, sagt er.
Eine ehrliche Bilanz, die nichts beschönigt. Dennoch sagt er nach den drei Jahren: „Ich habe auf jeden Fall meinen Beruf gefunden.“ Florian mag es, sich um andere Menschen zu kümmern. Durch die Ausbildung konnte er herausfinden, was ihm besonders liegt, etwa die psychiatrische Abteilung. „Hier ist der Patientenkontakt super, aber auch der Umgang im Team ist anders. Hier steht die Psyche im Vordergrund, nicht der Körper – und das merkt man auch untereinander.“ Deshalb will Florian auch gerne nach seiner Ausbildung in der psychiatrischen Abteilung arbeiten. Dass er vom Johanniter-Krankenhaus übernommen wird, sei relativ sicher, sagt er. Und dass er bleiben will auch.
Corona-Pandemie veränderte den Alltag
Jetzt stehen aber erst einmal die Prüfungen an. Im Juli und August muss Florian noch einmal beweisen, was er in den vergangenen Jahren gelernt hat. Und das war einiges – auf vielerlei Ebenen. Denn Florians Jahrgang ist kein gewöhnlicher: Noch während der Ausbildung musste er mit den Auswirkungen einer globalen Pandemie umgehen. „Meine Ausbildung wurde nicht so stark erschüttert, wie man vielleicht vermuten mag“, sagt Florian.
Der praktische Unterricht fand nur noch mit Mundschutz statt, die Auszubildenden wurden räumlich getrennt – teilweise fand der Unterricht sogar im großen Festsaal der Klinik statt, sagt Florian. Wie alle anderen Mitarbeiter macht er wöchentlich einen Abstrich auf Covid-19, führt diese auch bei neu eintreffenden Patienten durch und besucht regelmäßige Pandemie-Schulungen. Für Florian ist das alles keine große Belastung, wie er sagt. Nur die Anfangszeit, die sei schwer gewesen. Ab März hätte es viele neue Regelungen gegeben, so Florian. „Das hat einfach überfordert.“
Am Baggersee kommt Florian zur Ruhe
Wenig später sitzt Florian am Ufer des Baggersees am Rande von Treuenbrietzen. Er lässt Steine über die glatte Oberfläche springen, im Hintergrund ziehen Schwimmer ihre Kreise. „Es ist total geil hier“, sagt Florian. Er kommt oft hierher nach Feierabend, schwimmt, trifft sich mit Freunden, denkt nach. „Hier lasse ich die Woche Revue passieren“, sagt er und blickt auf den See. Im vergangenen Jahr war er fast täglich da – mit Leoni. „Wir hatten unsere ersten Dates hier“, sagt er.
Seit etwa einem Jahr sind Leoni und er nun schon zusammen. Sie studiert zwar in Senftenberg, die beiden sehen sich aber so oft es geht an den Wochenenden. Demnächst macht sie ein Praktikum im Johanniter-Krankenhaus, dann wollen die beiden für einige Wochen zusammenziehen – in Treuenbrietzen.
Florian fühlt sich in Treuenbrietzen wohl
Hier hat Florian mittlerweile „einen festen sozialen Kreis“, wie er sagt. Die Ausbildung, Freunde, bald auch noch Leoni: „Ich fühle mich auf jeden Fall wohl hier in der Stadt“, sagt er. Das war nicht immer so. „Am Anfang war es schwierig“, erinnert er sich. Als er seine Ausbildung anfing, kannte er noch niemanden, auch an Angeboten für junge Menschen mangelte es ihm.
Seitdem hat sich einiges verändert – auch Florian selbst. „Ich war damals naiver“, sagt er heute. Ihm sei es früher viel wichtiger gewesen, was andere Leute von ihm denken. „Jetzt ist mir das egal“, sagt er. Nicht nur sein Zopf ist ab, mittlerweile zieren auch Tattoos seinen Körper. „Those who don’t believe in magic will never find it“, steht etwa auf seinem Unterarm. „Das ist Körperkunst mit Bedeutung“, erklärt Florian seine Tätowierungen.
Gehen oder bleiben? Florian, schaut auf den Baggersee, ab und zu lugt eine Nutria aus dem Schilf heraus, die Schwimmer ziehen ihre Kreise. „Derzeit möchte ich bleiben.“
Von Johanna Apel