Kugelsicher mit links

Paul Sullivan Purps, 14 Jahre aus Jahnberge (Havelland): Paul trainiert hart, mehrmals in der Woche. Seine große Liebe sind Bowlingkugeln. Und die Bowlingbahn ist so etwas wie sein Wohnzimmer. Irgendwann möchte er von dem Sport leben.

Ein sicherer Griff mit drei Fingern: Der schwarze Bowlingball schwingt an Pauls linkem Arm aus der Ablage nach oben auf Augenhöhe, einige Sekunden hält er ihn dort still, die Augen des breitschultrigen Jungen fokussieren über die Kugel hinweg das Ziel – konzentriert, taktisch, professionell. Dann drei, vier Schritte, mit jedem etwas schneller, ein Ausholen, ein Wurf, ein Knall, die Kugel saust auf die Pins zu und haut sie mit voller Wucht aus dem Stand. Strike!

Paul Sullivan Purps, 14 Jahre alt, dreht sich um, geht zurück zur Ablage und schnappt sich zielstrebig die nächste Kugel. „Am liebsten mag ich die Bälle von Storm Intense, die sind besonders stark und laufen am besten“, sagt er in bestem Fachwissen-Vokabular. Vier eigene Bälle schleppt er regelmäßig mit zum Training, und das ist nicht alles: „Gute Bowlingschuhe sind wichtig, passende Taschen, in denen ich meine Bälle tragen kann, und auch ein Tuch, um das Öl von den Bällen abzuwischen.“ Was nicht zwingend notwendig ist, aber gut aussieht und seinen Wurfarm und die Muskeln unterstützt, ist ein „Sleeve“, ein Ärmel aus Neopren, an dem man deutlich erkennt: Paul ist Linkshänder. Wieder greift er einen Ball, tritt vor zur Bahn und hat wenige Sekunden später wieder mit lautem Geschepper alle zehn Pins umgehauen. „Es kann auch ein Vorteil sein, wenn man Linkshänder ist“, sagt Paul. „Ich werfe aus Winkeln, die Rechtshänder nicht drauf haben.“

Erfolg bei den Deutschen Meisterschaften

Was er hier im Bowling Center Premnitz tut, ist Routine: Seit seinem sechsten Lebensjahr trainiert Paul auf der Bowlingbahn und verbringt den Großteil seiner Freizeit damit, sich stetig zu verbessern. Das hat ihm nicht nur eine große Erfahrung gebracht – der Teenager konnte schon viele persönliche Sporterfolge feiern. Fünf Mal in Folge war er bei den Deutschen Meisterschaften dabei und schaffte es bei den Landesmeisterschaften von 2015 bis heute in jedem Jahr auf einen der ersten drei Plätze im Mannschafts- und Einzelwettkampf. Im vergangenen Jahr wurde Paul Landesbester im Einzelwettbewerb und qualifizierte sich wieder für die Deutschen Meisterschaften. Im Mai holte er 2018 einmal Gold, zweimal Silber und Bronze bei den Deutschen Meisterschaften in München. Aktuell ist er Deutscher Meister im Doppel. Ein besonderes Highlight war für den Schüler außerdem der Einsatz in der Bundesliga. Dort konnte er als Ersatzmann hineinschnuppern.

„Klar, manchmal interessiert mich ein Ergebnis auch nicht, aber an anderen Tagen rege ich mich dann unnötig auf.“

Paul Sullivan Purps

„Es wäre toll, wenn ich eines Tages vom Bowling leben könnte“, sagt der 14-Jährige. Aber Geld könne man eigentlich mit diesem Sport nur in den USA oder Asien machen – wie seine Vorbilder Pascal Winternheimer, der einzige deutsche Spieler, der es in die PBA, die „Professional Bowling Association“, geschafft hat, und der Australier Jason Belmonte. Aber der ehrgeizige Jugendliche ist auf einem guten Weg. „Ich versuche bei jedem Training, meine Technik zu verbessern“, sagt der groß gewachsene Junge mit der Undercut-Frisur. „Klar, manchmal interessiert mich ein Ergebnis auch nicht, aber an anderen Tagen rege ich mich dann unnötig auf.“ Sein persönliches Ziel: Den eigenen Rekord zu brechen. Dazu fehlen ihm nur wenige Punkte.

Training macht den Kopf frei

Auch in Pauls Schule stehen alle Zeichen auf Sport: Die Bruno H. Bürgel-Gesamtschule in Rathenow bietet schwerpunktmäßigen Unterricht in sportlichen Bereichen an. Auch Bowling steht dort einmal in der Woche auf dem Stundenplan. Zusätzlich ist der Junge, der mit seiner Mutter, deren Mann und einer kleinen Schwester in Jahnberge wohnt, zweimal wöchentlich auf der Premnitzer Bowlingbahn. „Ich kann beim Trainieren den Kopf frei kriegen“, sagt Paul. Bis vor kurzem hat er auch noch Fußball gespielt. „Aber alles zusammen ist dann insgesamt zu viel geworden.“

Besondere Unterstützung kriegt der junge Sportler von seinem Opa Hans-Jürgen, der ihn zum Training begleitet und ihm mit geschultem Auge Ratschläge geben kann: Im Einkaufscenter Wust betrieb er selbst viele Jahre lang eine eigene Bowlingbahn. Dass er sehr stolz auf seinen Enkel ist, merkt man. Auch gegenseitiges Geplänkel zwischen Opa und Enkelsohn lässt darauf schließen, dass die beiden ein eingespieltes Team sind. „Ich bin schon früh oft mitgekommen zu Opas Bowlingbahn und hatte viel Spaß beim Kugeln schieben“, erzählt Paul. Der Teenager ist ein ruhiger Typ, wirkt ernsthaft und hellwach. In seinen Augen leuchtet der Ehrgeiz.

Bowlingbahn ist wie sein Wohnzimmer

Die Bowlingbahn in Premnitz ist ein bisschen wie Pauls Wohnzimmer. Hier wird es ihm nie langweilig. Wenn er trainiert, ist er ganz in seiner eigenen Welt. Weil die Entfernungen zwischen ihm und seinen Freunden so weit ist, kann Paul seine Klassenkameraden nur selten zuhause besuchen. Auch seine langjährigen Freunde, die in und um Göhlsdorf leben, wo er bis zum Umzug nach Jahnberge gewohnt hat, sieht er selten. Viele Brandenburger Kilometer liegen zwischen ihm und seinen Kumpels. „Mit 16 will ich einen Rollerführerschein machen“, sagt er.

Wenn er ausnahmsweise mal nicht auf der Bowlingbahn ist, zockt er gerne am Computer. Die Wochenenden sind aber meistens fürs Bowlen eingeplant, Paul richtet sich stark nach dem Sport. „Mittlerweile kennt man sich auch in der Szene“, sagt Paul. Dann setzt er zum nächsten Wurf an. Strike.

Von Christina Koormann